ein Aufsatz in der Reihe Reflexionen

6. Januar 2023

Am Rande der gewöhnlichen Welt, im Dunkel des Nichtwissens, im Ungeformten, ist die Situation für alle die gleiche, für mich auf meinem geistigen Weg, für Forschende, die tieferes Verstehen der physischen Welt suchen, für Künstler auf der Suche nach neuen Ausdrucksformen, für sich entfaltende Gesellschaften, für die Menschheit insgesamt. In einer ersten Phase beginnen im abgründigen Dunkel einzelne Aspekte zu erscheinen, zusammenhangslos.

Hinter jedem von ihnen steckt viel Arbeit, um ihn wahrzunehmen, zu verstehen, vielleicht auch zu schaffen. Dies können Beobachtungen in der Natur sein, oder in meinem Sein, aber auch neu Geschaffenes in der Kunst, in der Technologie, schliesslich in unserer Kultur. Jeder dieser Aspekte ist in sich kompliziert und schwierig, aus der grossen Sicht aber klein, einfach und hat eine recht enge Funktion.

Auch wenn die vielen kleinen Aspekte ohne Zusammenhang sind, so kommt doch die Ahnung eines Grösseren dahinter auf. Je mehr dieser winzigen Aspekte neu erkannt oder geschaffen werden, desto mehr verdichtet sich diese Ahnung, wird schliesslich zu einer Gewissheit, dass da wirklich etwas Grösseres ist.

Vorstellen, was dieses Grössere sein könnte, das kann ich mir aber noch lange nicht. Da ist noch zu viel Unbekanntes, können sich noch zu viele Überraschungen zeigen.

Schliesslich beginnt sich aber das grosse Bild zu zeigen, die grosse Entwicklung. Die einen sehen sie etwas früher, die andern später.

Die einzelnen Aspekte, die noch immer kompliziert und mühsam zu verstehen oder zu schaffen sind, sie verlieren im nun erscheinenden Bild zunehmend an Bedeutung, treten zurück hinter dem unerwarteten, völlig anderen und weit Grösseren.

Noch immer ist viel Arbeit nötig um das Grössere umfassend zu verstehen, oder in seiner vollen Funktionalität zu schaffen. Wesentlich Neues zeigt sich dabei aber nicht mehr, ist nur noch Fleissarbeit, wenn auch eine wichtige, und mühsame.

Sehe ich dann einmal klar, am bisherigen Rande meiner gewöhnlichen Welt, der bisherigen Entwicklung unserer Kultur: Welches sind die besten nächsten Schritte? Gibt es da überhaupt einen Weg? Wohin will ich eigentlich? Will ich… oder muss ich? Auch mit dem besten Wissen hier kann ich nur das nächste Wegstück planen. Erst wenn ich dieses gegangen bin, kann ich sehen, ob der Weg auch dort noch einmal weiter führt. Wohin ich will? Wie könnte ich das wissen? Und selbst wenn ich ein grosses Ziel hätte, wie könnte ich wissen in welche Richtung ich von hier gehen sollte?

Den Weg voraus, das verstehe ich nun, den gibt es gar nicht. Erst nachdem ich ihn gegangen bin, gibt es ihn und nur zurückblickend erkenne ich ihn, erkenne ich auch andere in der Nähe.

Die Bilder hier, auch das Mosaik, sie haben alle nichts zu tun mit der Situation am Rande der gewöhnlichen Welt, sind nur Metapher für etwas, das viel komplizierter ist, etwas, das nicht in Bildern dargestellt werden kann, weil es dort keine Bilder mehr gibt, noch nicht einmal mehr Vorstellungen. Die Welt jenseits des Gewöhnlichen ist anders, und wenn der nahe Teil des Jenseits einmal gewöhnlich geworden ist, dann wird die Welt eine andere sein.